Der denkmalgeschützte Tower mit seiner Glaskanzel in 35 Metern Höhe ist neben der Wappenhalle das einzige Gebäude, das noch an die Luftfahrt-Geschichte des Areals erinnert. Von 1939 bis 1992 starteten und landeten die Passagiere hier auf dem internationalen Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt. Nur zehn Kilometer von der Innenstadt entfernt wurden jährlich bis zu 12 Millionen Fluggäste abgefertigt.

Gebaut hatte man den Flughafen in den 30er-Jahren, weil der Flugplatz Oberwiesenfeld deutlich zu klein geworden war. Die Infrastruktur des 1909 eröffneten Flugplatzes Oberwiesenfeld entsprach eher den Ansprüchen von Zepplinkapitänen als von Jet-Piloten. Übrigens realisiert WÖHR + BAUER an diesem historischen Standort nahe des heutigen Olympiaparks mit dem H2O derzeit ebenfalls eine Büroimmobilie.

Geplant wurde der Flughafen Riem von dem Luftfahrt-Architekten Ernst Sagebiel, der zeitgleich mit dem Bau der Flughäfen Tempelhof und Stuttgart betraut war. Am 25. Oktober 1939 durften die Fluglotsen des Towers in einer aus Berlin kommende „Tante Ju 52“ die ersten Piloten begrüßen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Flugverkehr im Jahr 1948 wieder aufgenommen.

Die Nachfrage nach Flugreisen und stetig größer werdende Jets ließen den Riemer Flughafen bald an seine Grenzen stoßen. Selbst die mehrmaligen Verlängerungen der Start- und Landebahnen auf zuletzt 2804 Meter reichten nicht mehr aus. Eine Kommission hatte daher bereits in den 60er-Jahren nach Ersatzstandorten mit größeren Flächen gesucht. Obwohl bereits 1974 eine Entscheidung für den Bau des neuen Flughafens im Erdinger Moos gefallen war, surrten die Navigationsgeräte im Riemer Tower noch mehrere Jahrzehnte. Erst 1992 war der neue Flughafen fertig und die Fluglotsen dirigierten die letzte Landung einer Maschine auf der Landebahn in Riem.

Es folgte eine kulturelle Zwischennutzung mit Konzerten in der Charterhalle, OpenAir-Events auf dem Rollfeld und dem legendären Technoclub „Ultraschall“ in der ehemaligen Kantine, bevor die Gebäude 1996 Platz für den Bau der Messestadt Riem machen mussten. Dort, wo über Jahrzehnte das Kerosin in der Luft lag, wurde 2005 mit einem Blütenmeer die Bundesgartenschau eröffnet.

Die Radarschirme und ein Teil der ehemaligen Inneneinrichtung des Towers sind heute im Deutschen Museum in der Luftfahrtabteilung zu sehen.

Ein großer Dank geht an dieser Stelle an die Fotografin Camilla Kraus, welche die hier abgebildeten Bilder zur Verfügung gestellt hat.